APRIL REVIEW: ALLES ODER NICHTS IN PARIS

Tout ou rien bedeutet alles oder nichts und so fühlt sich der April in retrospektive an. Passt auch irgendwie zu dem April, der macht was er will. Vielleicht ist euch aufgefallen, dass ich schon länger keine politischen Statements zum Geschehen mehr abgegeben habe und das eigentlich immer gerne mit einem kritischen Blick tat. Ich resigniere! Seit dem Artikel, ob wir das Leben vergessen, weil wir in Todesangst existieren kam ich zu keiner neuen Erkenntnis. Möglicherweise mag es ignorant sein, aber ich habe mich eher wieder ins Leben gestürzt und in dem Rahmen der Möglichkeiten im Hier und Jetzt Paris unsicher gemacht. Ich ertrage diese negativen Energien kaum mehr und möchte euch hier einen Ort der Erholung von all dem bieten. Denken wir doch mal an etwas anderes als schlechte Nachrichten.

So habe ich zum Beispiel ein neues Hobby gefunden: Boxing. Ich habe mich für einen französisch Kurs angemeldet und habe regelmäßig online Unterricht. Ich habe auch einfach meinen Aufenthalt um fünf Wochen verlängert und bleibe bis Ende Mai in der französischen Hauptstadt. Ich habe wahnsinnig schnell viele Freunde hier gefunden und ein lebendiges soziales Leben. Den Franzosen wird gerne nachgesagt, dass sie arrogant sind und einen nicht integrieren. Ich widerspreche dieser Aussage und erlebe ein geselliges, lebensfrohes Miteinander. Die Franzosen sind zumindest nicht mehr starrköpfig und trocken als die Deutschen selbst. Vielleicht bin ich einen gewissen rauen Ton aus Berlin auch einfach gewohnt. Angst vor neuen Begegnungen habe ich auf jeden Fall nicht. Immer mal wieder lass ich mir ein Stäbchen in die Nase schieben und checke so meinen Coronastatus ab. Viele der Bekanntschaften sind unglaublich kreativ und talentiert. Sie inspirieren mich mit ihrer Hingabe zum Detail. War es nicht das, wonach ich in Paris suchte? Die Leidenschaft?

WIR MÜSSEN MEHR STAUNEN

Wann hast du das letzte Mal gestaunt? Seit der Pandemie liegt eine gähnenden Langeweile in der Luft, da uns das Herzstück genommen wurde: das Miteinander, die Kunst und die Kultur. Diese Bereiche schaffen es nämlich, Regionen in unserem Gehirn anzuregen, die nach größerem Streben.

Das Staunen ist ein Zustand, der vor allem dem Freund der Weisheit gleich Philosophen zukommt. Es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen.

Platon

Staunende sind Personen, die sich etwas noch nicht erklären können und dieser Sache mit einer gesunden Neugier gegenüber treten wollen.

Seit ich in Paris bin staune ich ständig über die alltäglichsten Dinge, einfach, weil sie hier fremd und doch irgendwie neu für mich sind. Mir tut das Staunen und das Wahrnehmen dessen so gut, dass ich diesen Gedanken mit euch teilen wollte und zum Staunen anregen will.

Lasst uns das Staunen als etwas schätzen, das wir als Antrieb zur Erkenntnissuche nutzen können. So ordnete es der französische Philosoph René Descartes nämlich auch ein, zugleich er das Staunen jedoch auch kritisierte. Zumindest fürchtete er, dass der intensive Reiz zum Selbstzweck werden könnte. Sinnreizen zu misstrauen mag nie ganz falsch sein, denn sie können abhängig machen.

Brauche ich immer wieder neue Impulse von Außen, muss ich immer wieder ins Staunen versetzt werden, um kognitiv lebendig zu bleiben? Möglich, ich bin nämlich auch ziemlich erschöpft und rastlos am Ende des Aprils angekommen.

LE MARAIS: MEIN UMZUG IN PARIS

Aus dieser Erschöpfung heraus habe ich mich ganz schön zurückgezogen. Mein neues Airbnb bietet die perfekte Ruheoase dafür. Im Herzen von Le Marais dem 3. Arrondissement von Paris habe ich eine schöne helle Wohnung im fünften Stock gefunden. Ich habe ein geräumiges Wohnzimmer mit gemütlichen Couches und einen Ausblick, der nicht mehr “parisian” sein könnte. Ich kann der Sonne beim Untergehen zuschauen, wenn sie denn scheint.

Ich hatte bisher unglaublich gutes Wetter in Paris. Aber vielleicht fallen mir Regentage auch einfach nicht so auf, denn ich liebe diese. Sie bringen eine Gelassenheit mit sich, eine Ruhe und eine Entspannung. Bei Sonnenschein jagen alle Unternehmungen hinterher und kommen nicht zur Ruh, mich eingeschlossen.

LE MARAIS: OFR. LIBRAIRIE, GALERIE

Dieser Shop ist mein Tipp und mein Rettungsanker, Buchläden dürfen nämlich offen haben. Ich habe Ofr. in meiner Gegend entdeckt und tanke hier mittlerweile fast täglich kreative Ideen.

Ich lebe mit einem sehr unruhigen Geist und muss diesen immer wieder zähmen. Weil mich das so viel Arbeit kostet, habe ich einen ganz eigenen Artikel daraus gemacht, Ihr könnt euch auf diesen freuen, solltet ihr ebenso oft in eurem Kopf verloren sein, wie ich. Der Anlass oder Grund ist ganz egal, es geht nur darum, Wege zu finden, mit sich besser durch den Tag zu kommen. Das Hier und Jetzt schwindet nämlich genau in diesem Moment.

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